Sabine Zlatin, geb. Chwast

Aus Gerechte-der-Pflege

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Sabina Zlatin

Sabine oder Sabina Chwast, Spitzname Yanka, wurde am 13.1.1907 in Warschau, Polen, geboren. Sie war das Jüngste von zwölf Kindern. Ihr Vater war Architekt. Im Jahre 1920 wanderte die Familie aus Polen aus, da dort für sie die antisemitische Haltung unerträglich wurde. Über Danzig, Königsberg, Berlin und Brüssel kam die Familie nach Frankreich.

In Nancy begann Sabine Chwast Kunst zu studieren. An der Universität lernte sie Miron Zlatin kennen, geboren am 21.9.1904 in Orcha, Russland. Er studierte dort Agrarwissenschaften. Am 31.7.1927 heirateten sie. Zwei Jahre später erwarben sie einen Bauernhof in Nordfrankreich. Am 26.7.1939 wurden sie in Frankreich eingebürgert.

Im September 1939 brach der Krieg aus und die Malerin Sabine Zlatin ließ sich in Lille zur Militär-Rotkreuzschwester ausbilden. 1940 floh das Ehepaar nach Montpellier, wo sie in einem Militärhospital bis zu ihrer Kündigung 1941 aufgrund der Rassengesetze der Vichy-Regierung arbeitete. 1941 wurde sie für das OSE (Abkürzung für Oeuvre de Secours aux Enfants, jüdische Kinderhilfswerk) tätig und begann, Kindern in den Internierungslagern d´Agde, Rivesaltes und Gurs zu helfen. Sie konnte kleine Kinder aus den Lagern mitnehmen und der OSE übergeben, teilweise nutzte sie ihren großen Schwesternmantel des Roten Kreuzes, um unter ihm Kinder aus den Lagern zu schmuggeln.

Im Frühjahr 1942 übernahm Sabine Zlatin die Leitung des Sanatoriums von Palavas-les-Flots. Bei der ersten Großrazzia am 16.7.1942 in Paris trieben die Nazis 13000 Juden im Radrennstadion „Vélodrome dHiver“ zur Deportation zusammen. Sabine Zlatin gelang es in einer tolldreisten Aktion, einen zwei Jahre alten Jungen, dessen Mutter verhaftet war, in ihrem Fahrradkorb zu verstecken und in Sicherheit zu bringen.

Die Zahl der Kinder stieg unaufhörlich, für die in Frankreich Verstecke vor dem deutschen Zugriff gefunden werden mussten. Der Vizepräfekt Pierre-Marcel Wiltzer von Belley im Departement Ain in der italienischen Zone bot Sabine Zlatin ein Haus in dem Dorf Izieu an. Es wurde darüber nicht gesprochen, aber es war ihm klar, dass für jüdische Kinder ein Zufluchtsort gesucht wurde. Das Haus lag etwas versteckt am Dorfrand. Mit 17 Kindern, die aus südfranzösischen Lagern gerettet wurden, ihre Eltern oft schon deportiert und ermordet, zog das Ehepaar Zlatin dorthin und gründete ein Kinderheim. Über hundert Kinder hielten sich im „Maison d'Izieu“ während seines Bestehens auf.

Izieu

Im September 1943 befanden sich im Haus noch 64 Kinder aus den verschiedensten Ländern. Die Wehrmacht marschierte in der italienischen Zone ein. Sabine Zlatin erkannte die Gefahr für ihre Kinder. Sie versuchte fieberhaft, mit Hilfe der OSE und des Garel-Netzes (Widerstandsorganisationen), das Haus aufzulösen. Doch es war schwierig, für soviele Kinder einen sicheren Ort zu finden. Im Februar 1944 nahm die Gestapo das Personal der OSE in Chambéry fest. Sabine Zlatin war in den Osterferien 1944 in Montpellier, um weitere Verstecke für die Kinder ausfindig zu machen, um das gefährdete Kinderheim auflösen zu können.

Auf dem Rückweg erhielt sie ein Telegram mit den Worten: "Familie krank. Ansteckende Krankheit." Sie verstand und entging so ihrer Festnahme. Denn am 6.4.1944 erschien die Gestapo und ein Bataillon der Wehrmacht im Kinderheim. Ein Kind konnte sich durch ein Fenster im Treppenhaus retten. Die anderen 44 Kinder im Alter von vier bis siebzehn Jahren und sieben Betreuer, darunter ihr Mann Miron, wurden festgenommen und brutal auf Lastwagen geschmissen. Sabine Zlatin eilte sofort nach Paris und Vichy und bemühte sich um die Freilassung der Festgenommenen. Vergeblich!

Die Kinder und Erwachsenen kamen in das Gefängnis von Fort Montluc in Lyon, am nächsten Tag nach Drancy. 42 Kinder und sechs Betreuer wurden nach Auschwitz-Birkenau deportiert und nach ihrer Ankunft bis auf die Erzieherin Lea Feldblum vergast. Sie überlebte als Einzige und kehrte 1945 nach Frankreich zurück. Miron Zlatin und zwei ältere Kinder kamen nach Tallin (Reval) in Estland und wurden dort ermordet.

Frau Zlatin schloss sich der Resistance an. 1945 arbeitete sie als Direktorin im Hotel Lutétia in Paris, dass als Anlaufstelle für Deportierte eingerichtet war. Hier bekamen die Rückkehrer medizinische und pflegerische Hilfe, Kleidung und konnten nach Angehörigen suchen. Auch Sabine Zlatin hatte in der Eingangshalle hoffnungsvoll Bilder von ihrem Mann und den beiden Jungen Theodor, genannt Theo, Reis und Arnold Hirsch aufgehangen. Ein Heimkehrer musste ihr die Hoffnung auf eine Rückkehr der drei Menschen zerstören.

Nach 1945 kehrte sie wieder zu ihrem Beruf als Malerin zurück. Die Ereignisse in Izieu ließen sie nie mehr los. 1994 wurde im ehemaligen „Maison d'Izieu“ eine Gedenkstätte eingerichtet. Sie wurde die erste Direktorin des „Musée-mémorial des enfants d'Izieu » Sabine Zlatin starb am 21.9.1996 in Paris.

Izieutafel




Quellen:

La Maison d'Izieu, http://www.izieu.alma.fr/

http://www.izieu.alma.fr/francais/biographie_zlatin.htm

http://www.convoi73.org/temoignages/025_miron_zlatin/index.html

http://www.aidh.org/izieu/2f.htm

Wikipedia, http://fr.wikipedia.org/wiki/Sabine_Zlatin

Pierre-Jerome Biscarat, Les enfants d’Izieu. 6 avril 1944. Un crime contre l’humanité. Les Patrimoines, Veurey Ceder 2003

Serge Klarsfeld, The Children of Izieu: A Human Tragedy, ISBN 0896041336

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